DER MASTERPLAN
– Entwicklung und Prozess –

Wegweiser zu einer tragfähigen Post-Corona-Ökonomie:
dynamisch, nachhaltig, interaktiv

Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie nach und nach fast das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen brachte, sorgte ein Begriff besonders für Gesprächsstoff: Systemrelevanz. Systemrelevante gesellschaftliche Bereiche und Tätigkeiten, hieß es, sollten unbedingt mit möglichst geringen Einschränkungen am Laufen gehalten werden. Und so richtete sich die Aufmerksamkeit neben der Gesundheitsversorgung auf Sektoren wie Energieversorgung, Wasser- und Abfallmanagement, auf IT-Dienstleistungen und Verwaltung, Bildung und Transport, vor allem aber auf die Lebensmittelversorgung und den medizinischen Support. Dies geschah, keine Frage, aus gutem Grund. Was dabei aber etwas aus dem Blick geriet, waren Branchen und Wirtschaftszweige, die die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft in den Fokus rücken – und damit ihr Fortbestehen sowie eine positive Weiterentwicklung sichern. Zukunftsfähigkeit, das sagen nicht nur Wissenschaftler, basiert auf Innovation. Und Innovation ist das Ergebnis von Kreativität. Auch die Kreativwirtschaft ist deshalb – vielleicht nicht auf den ersten, mit Sicherheit aber auf den zweiten Blick – systemrelevant.

 

Die Creative Economy prägt die Stadt und die Region

Hinter der Kreativwirtschaft verbergen sich innovative Köpfe aus den Bereichen Design, bildende Kunst und Musik, Digital Economy und Softwareentwicklung, Film- und Medienproduktion, Architektur, Kommunikation, Journalismus. Kreative üben die unterschiedlichsten Tätigkeiten aus, und doch haben sie im Kern etwas gemeinsam. Sie produzieren kulturellen, ideellen Mehrwert. Ob sie den Alltag sezieren oder an Mikrodetails tüfteln, sie alle entwickeln Visionen, suchen Lösungen für aktuelle Herausforderungen und Probleme. Kreative stehen für Vielfalt und Flexibilität, für permanente gesellschaftliche Erneuerung. Zugleich repräsentieren sie die wirtschaftliche Dynamik einer auf Wissen und Innovation basierenden Ökonomie. Anders ausgedrückt: Kreativschaffende sind das verbindende Glied zwischen allen Wirtschaftszweigen. Sie geben Impulse für eine nachhaltige Entwicklung. Sie machen Innovation erst möglich.
Frankfurt am Main, die Finanzmetropole und Verkehrsdrehscheibe im Herzen Europas, gehört zu den führenden Kreativstandorten Deutschlands. Und ist dabei besonders kosmopolitisch geprägt, besonders vielseitig, ausgesprochen dynamisch. In Frankfurt erscheinen führende deutsche Tageszeitungen, werden weltweit erfolgreiche Computergames entwickelt. Hier heimsen renommierte Bühnen jährlich wichtige Auszeichnungen ein, entstehen spektakuläre Werbekampagnen. Frankfurt war Jazzhauptstadt und Keimzelle der Technokultur, auch in Sachen Nachhaltigkeit setzt die Stadt wertvolle Akzente. Nicht umsonst erreichte Frankfurt im Wettbewerb um die „Green Capital of Europe 2014“ die Runde der letzten drei. Es steht außer Frage: Die Creative Economy prägt mit ihrem Schaffen die Stadt und die Region – gesellschaftlich, ökonomisch, kulturell.

 

Die Kreativwirtschaft im Sog der Megatrends

Mit ihren spezifischen Stärken haben Frankfurt und die Rhein-Main Region die Herausforderungen der letzten Jahre hervorragend gemeistert. Doch von welchen Herausforderungen reden wir hier? Das 21. Jahrhundert ist geprägt von Megatrends: Dynamiken, die auf allen Ebenen der Gesellschaft wirken, in Wirtschaft und Wissenschaft, in Technik, Kultur und Politik, sogar in jedem einzelnen Menschen. Die Rede ist von der Wissenskultur, der Globalisierung und der Urbanisierung, von Individualisierung und Konnektivität, von Gender Shift, Mobilität, New Work. Die Mainmetropole war hier stets in der Lage zu reagieren und hat sich immer wieder neu erfunden – das zeigen nicht zuletzt ihre Bemühungen um den FinTech-Standort und ihre aktuelle Digitalisierungsstrategie. Doch nun haben die Corona-Pandemie und die dadurch ausgelöste Weltwirtschaftskrise einen weiteren radikalen Veränderungsprozess in Gang gebracht. Die Krise zwingt einmal mehr zum Überdenken, vielleicht sogar zu gänzlich neuem Denken – zu Evaluation und Anpassungen, zum Ausprobieren. Einmal mehr ist die Fähigkeit zur Veränderung gefragt – eine unerlässliche Eigenschaft, wenn sich Menschen, Systeme und Städte weiterentwickeln sollen. Der Motor für Innovation und Veränderung ist: Kreativität. Durch kreative Impulse kann eine notwendige Anpassung an die Krisenauswirkungen und eine Erneuerung des bisherigen Wirtschaftssystems stattfinden.

Das bedeutet: Bei der Zukunftssicherung des (Wirtschafts-)Standorts Frankfurt darf auf die starke Kreativwirtschaft nicht verzichtet werden. In diesem Change-Management-Prozess gilt es, das vorhandene Potenzial zu nutzen – und gleichzeitig das kultur- und kreativwirtschaftliche Ökosystem zu stabilisieren. Nur so lässt sich die ökonomische und gesellschaftliche Transformation hin zur Post Corona-Ökonomie meistern. Frankfurt führt, das ist unbestritten, Veränderungsfähigkeit in seiner DNA. Die Stadt hat beste Voraussetzungen, um als Reallabor für die Next Economy zu fungieren, um den Wirtschafts- und Lebensraum Rhein-Main attraktiv und nachhaltig zu gestalten. Und damit zum Masterplan Kreativwirtschaft.

 

Der Masterplan: Handlungsfelder – Handlungsempfehlungen

Schon vor der Corona-Krise, im Dezember 2019, wurden im Rahmen eines Experten-Kick-Offs erste Handlungsfelder für die Entwicklung eines Masterplans Kreativwirtschaft identifiziert. Monate später kristallisierten sich drei zentrale Handlungsfelder für die Entwicklung von Frankfurt als Creative City heraus – und damit für die Bewältigung tiefgreifender ökonomischer und gesellschaftlicher Wandlungsprozesse:

Resilienz
Adaptive & resiliente Geschäftsmodelle

Ihr Ziel ist die Existenz- und Unternehmenssicherung. Dabei geht es um die Entwicklung einer Next Economy aus neuen Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten, neuen Netzwerken und Märkten. Es geht um kollaborative Unternehmensformen, unkonventionelle Finanzierungs- und Partizipationsmodelle, technische und nichttechnische Innovationen.


Raum/Creative Space

Ziel in diesem Handlungsfeld ist die kreative Raum- und Quartiersentwicklung, die Schaffung von Raum für Möglichkeiten. Dabei geht es um Experimentier-Labs, in denen Lösungen für aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen entwickelt werden.


Vernetzung

Hier geht es um die Mehrwert schaffende reale und digitale Vernetzung sämtlicher Kreativ-Player und -Institutionen. Ziel sind starke regionale und internationale Allianzen.

Die drei strategischen Handlungsfelder Resilenz, Raum und Vernetzung werden im vorliegenden Masterplan Kreativwirtschaft nicht isoliert betrachtet, sondern gehen auf die globale Wirtschafts- und Klimakrise, auf die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen und die digitale Transformation ein. Sie fokussieren auf jene Megatrends, die die Kreativwirtschaft am stärksten beeinflussen: Urbanisierung, Neo-Ökologie, Wissenskultur, Konnektivität, Globalisierung und New Work.

Jedes Handlungsfeld wird zunächst umrissen und analysiert – im Anschluss werden Handlungsempfehlungen gegeben. Deren Formulierung erfolgt unter Berücksichtigung

  • der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung (Corona-Krise),
  • des European Green Deal der Europäischen Kommission (Klimakrise) und
  • der Sustainable Development Goals/SDGs der UN Agenda 2030.

Die nachhaltige Entwicklung dient der kontinuierlichen Optimierung des Standorts Frankfurt mit Blick auf eine moderne, ressourceneffiziente, wettbewerbsfähige Wirtschaft und die Steigerung der Lebensqualität für die hier arbeitenden und lebenden Menschen. Grundlagen sind die Kreislaufwirtschaft, der Schutz der natürlichen Umwelt und die Förderung der sozialen Gerechtigkeit.

In der sich anschließenden Entwicklungs- und Planungsphase gilt es, diese Handlungsempfehlungen auf spezifische Rahmenbedingungen und inhaltliche Prioritäten der kommenden Förderperiode 2021–2027 der Europäischen Kommission zu prüfen, um frühzeitig Finanzierungsoptionen und -instrumente aufzuzeigen.

 

Dynamischer Prozess mit Leuchtturmprojekten

Festzuhalten ist: Der Masterplan Kreativwirtschaft 2021–2026 liefert keine fertigen Lösungen, sondern ist selbst als dynamischer Prozess zu verstehen. Er ist so angelegt, dass er immer wieder überprüft, angepasst, nachjustiert und weiterentwickelt werden kann. Die Basis bilden neben einer intensiven Beobachtung der gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung die andauernde Auseinandersetzung und der stetige Austausch mit der gesamten Kultur- und Kreativwirtschaft in Frankfurt und Rhein-Main.

Und noch etwas: Die identifizierten Handlungsfelder des Masterplans werden durch Leuchtturmprojekte mit hoher Signalwirkung illustriert. Diese Projekte strahlen in andere Wirtschaftszweige, in die Öffentlichkeit und international aus. Sie geben nicht nur der Frankfurter Kreativwirtschaft, sondern der gesamten Wirtschaft der Stadt einen Schub und setzen Maßstäbe, was Innovation und Einzigartigkeit betrifft. Konkret sind das:

  • die Frankfurt Fashion Week als Impulsgeber für nachhaltige Innovationen und Geschäftsmodelle. Wenn Mode, Lifestyle, Digitalinnovationen und Nachhaltigkeit eine Synthese eingehen, dann entsteht etwas Neues, Unerwartetes: Frankfurt unterstreicht hier seine Rolle als Trendsetter und Innovation-Lab.
  • das House of Creativity & Innovation (HOCI) als physisches Wissens- und Kreativzentrum, an dem Kreative gemeinsam mit Wirtschaft, Hochschulen und Start-ups interdisziplinär an der Zukunft des Wirtschaftsstandorts arbeiten.
  • das Green Film & Media Festival Center als nachhaltiger, multifunktionaler Ort der Vernetzung, der Begegnung und des Wissenstransfers für die Film- und Medienbranche, als internationales Aushängeschild.
  • das Creative Tech Accelerator Program als Support-Lab für aufstrebende Digitalunternehmen – als Anziehungspunkt für Talente und Start-ups.
  • die Bewerbung um den Titel World Design Capital 2026 als identitätsstiftendes internationales Schaufenster für nachhaltige Stadt- und Regionalgestaltung.

 

 

Koordiniert und kommunikativ begleitet wird der Masterplan-Prozess von der Wirtschaftsförderung Frankfurt. Dabei soll die Branche sichtbar gemacht und ihr Nutzen und Wert für die Stadtgesellschaft und die wirtschaftliche (Weiter-)Entwicklung herausgestellt werden. 

 


Visualisierung Masterplankonzept