FRANKFURT. CREATIVE CITY.

Der Masterplan Kreativwirtschaft – Impulsgeber für den Wirtschaftsstandort Frankfurt

Markus Frank
Wirtschaftsdezernent, Stadt Frankfurt am Main (2009-2021)

Die Stadt Frankfurt am Main weiß, was sie an ihren Kreativen hat. Sie schätzt den immensen Beitrag, den kreative Köpfe jeden Tag mit Herzblut und Engagement leisten, um Frankfurts Ruf als pulsierende, innovative Weltmetropole zu untermauern. Dieser Ruf ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen. Zusammen mit den Kreativen haben wir die Wirtschaft und den Handel in FrankfurtRheinMain so gut aufgestellt, dass in den letzten Jahren ausschließlich Positives zu vermelden war: ein stetiges enormes Wachstum und die Vernetzung der einzelnen Kreativbranchen in alle anderen Wirtschaftszweige.

 

Ökonomisches Powerhouse

Es liegt auf der Hand: Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat eine hohe ökonomische Relevanz. Ihre Bruttowertschöpfung in ganz Deutschland betrug 2019 rund 106,4 Mrd. Euro – das bedeutet ein Wachstum von rund 3,6 Mrd. Euro oder 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Kultur- und Kreativwirtschaft etwa auf dem Niveau des Maschinenbaus und vor Wirtschaftszweigen wie den Finanzdienstleistungen, der Energieversorgung und der chemischen Industrie.

Es ist eine Dynamik, die sich beim Blick auf Hessen und auf den Wirtschaftsstandort Frankfurt am Main bestätigt. Frankfurt ist das Powerhouse der Hessischen Kultur- und Kreativwirtschaft: Die Branchenaktivitäten in der Mainmetropole tragen nahezu 45 Prozent zum Umsatz der hessischen Kreativwirtschaft bei, in der Stadt arbeitet ein Drittel der hessischen Kultur- und Kreativschaffenden. Auf 1.000 Einwohner kommen hier 50 Erwerbstätige aus diesem Wirtschaftszweig, das sind doppelt so viele kreative Köpfe wie im Landesdurchschnitt. Bereits 2016 steuerten sie 6 Prozent zum Gesamtumsatz in Frankfurt bei. Und die Erfolgskurve zeigte bis zuletzt weiter nach oben: So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Frankfurter Kultur- und Kreativwirtschaft von 2007 bis 2019 um 44 Prozent auf 30.400. Die Kultur- und Kreativwirtschaft unserer Stadt zieht nicht nur weitere Kreative an, sie ist zudem attraktiv für viele andere Branchen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft erfüllt eine Querschnittsfunktion und wirkt als Magnet für alle Cluster- und Standortaktivitäten. Dazu trägt eine weitere Besonderheit bei: die über 170 verschiedenen Nationen, die heute in Frankfurt am Main leben und arbeiten. Sie stehen für ein friedliches Miteinander und den lebendigen kulturellen und gesellschaftlichen Austausch, der den Humus für Kreativität liefert. Die Kreativwirtschaft trägt entscheidend zu einem positiven Standort-Image bei.

Frankfurter Highlights

Der Kreativstandort FrankfurtRheinMain ist ein internationaler Player von Rang: Weltweit erfolgreiche Gamestudios entwickeln und vertreiben ihre millionenfach genutzten Gaming-Produkte von der Mainmetropole aus. KI-Unternehmen und 3-D-Pioniere forschen an neuen Anwendungen, die mit XR- und VR-Technologien den virtuellen Raum lebendig werden lassen. Auf diese Weise läuten sie eine ganz neue Ära ein, geprägt und getrieben von technologischen Entwicklungen und digitalen Medien. Doch es geht nicht nur um Innovation um ihrer selbst willen. Dass Frankfurts Kreative immer auch auf aktuelle kulturelle und gesellschaftspolitische Entwicklungen reagieren, unterstreichen die berühmten Beispiele aus den Bereichen Architektur und Design. Das „Neue Frankfurt“ mit seinen modernen Siedlungen und der „Frankfurter Küche“ prägt die Designgeschichte – ebenso wie die im selben Umfeld entstandene Schriftart FUTURA. Nicht ohne Grund sind heute in Frankfurt am Main zahlreiche renommierte Kommunikations- und Designagenturen beheimatet, die an alltagstauglichen Lösungen arbeiten.

Startschuss: erster Kreativwirtschaftsbericht 2008

Die Stadt hat die wirtschaftliche Bedeutung der Kreativbranche früh erkannt und bereits 2008 den ersten Kreativwirtschaftsbericht für Frankfurt am Main veröffentlicht. Was dann folgte, ist nichts anderes als eine Erfolgsgeschichte. 2009 wurde bei der Wirtschaftsförderung das Kompetenzzentrum Kreativwirtschaft angesiedelt, als Anlaufstelle für alle Belange der Kreativwirtschaft. Dieses legt auf Magistratsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung alle zwei Jahre ein Bericht vor, der die städtischen Maßnahmen zur Förderung der Kreativwirtschaft und deren Entwicklung in Frankfurt am Main darstellt. Das Team des Kompetenzzentrums unterstützt und berät bedarfsorientiert alle Kreativen, Unternehmen und Initiativen am Standort Frankfurt am Main. Gemeinsam mit zahlreichen Akteur*innen wurden wegweisende Initiativen und Aktivitäten auf den Weg gebracht.

 

Meilensteine der Entwicklung

Eine Vielzahl an herausragenden Branchenevents, Kongressformaten, Ausstellungen und Festivals, kleinen und großen Formaten tragen zu einer lebendigen und vielseitigen Kultur- und Kreativwirtschaft am Standort bei. Meilensteine bei der Entwicklung des Standortes sind der LEA – Live Entertainment Award, die MTV Awards, der World Club Dome, der GWA Effie Award und Kongress, die Filmfestivals LUCAS und LICHTER, das ADC Festival, die ADC Night of Honour, die Festivals LUMINALE und NODE – Forum for Digital Arts, TAB und die Frankfurt Art Experience. In 2021 wird mit der Frankfurt Fashion Week ein neues Highlight hinzukommen und einmal mehr Frankfurt am Main in den nationalen und internationalen Fokus stellen.

Zeit für einen Masterplan

Im Wettbewerb um Fachkräfte und Unternehmen gilt es an den Erfolgen anzuschließen, den Standort weiter zu entwickeln und so attraktiv für Unternehmen und kreative Köpfe zu bleiben. Dazu hat die Stadtpolitik die Fortentwicklung hin zu einem Masterplan Kreativwirtschaft, dessen wichtigstes Anliegen die nachhaltige Weiterentwicklung und Stärkung der Kreativwirtschaft ist, festgelegt. 

„Umso entschlossener gilt es, die emotionale Attraktivität der Stadt auszubauen und mit Kreativität und Innovationen zu punkten“, heißt es im Koalitionsvertrag der Stadt Frankfurt am Main CDU + SPD + DIE GRÜNEN 2016–2021. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Kreativstandort Frankfurt am Main weiter zu stärken und das Potenzial, das der Standort im Bereich der Kreativschaffenden zu bieten hat, auszubauen. (…) Dazu soll ein Masterplan für die Branche erarbeitet werden.“

Im Jahr 2020 wurden wir allerdings mit einer unerwarteten, völlig neuen Situation konfrontiert. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten viele zukunftsweisende Vorhaben nicht wie geplant realisiert werden und lange angesetzte Veranstaltungen und Projekte mussten abgesagt werden. Die Erarbeitung des Masterplans Kreativwirtschaft fiel genau in diese Zeit, und doch ist es dem Team der Wirtschaftsförderung gelungen, diese Herausforderung unter den gegebenen Umständen zu meistern. Viele der hochkarätigen Akteure, die daran mitgewirkt haben, sind Koryphäen auf ihrem Fachgebiet zum Beispiel von der Frankfurt University of Applied Sciences, der Zürcher Hochschule der Künste, dem Zukunftsinstitut Frankfurt sowie zahlreiche Branchenbeteiligte. Sie alle haben ihre fachliche und internationale Expertise bei den komplexen Themen des Masterplans eingebracht und Handlungsempfehlungen formuliert.

 

Next Steps: Prioritäten setzen und Handeln

Der Masterplan versammelt spannende Analysen und filtert Handlungsempfehlungen heraus. Er versteht sich als Grundlagenpapier, liefert Denkanstöße und gibt wichtige Impulse für die kommende Legislaturperiode. Er weist der Stadt und der Wirtschaftsförderung mit dem Kompetenzzentrum Kreativwirtschaft auch künftig die Funktion der „Ermöglicher“ zu. Gemeinsam mit den Beteiligten und Stakeholdern der Kultur- und Kreativwirtschaft ist es nun an der Zeit, für den nächsten Schritt. Mit Beteiligungsformaten gilt es einen Prozess in Gang zu setzen, um gemeinsam zu priorisieren, welche Vorschläge weiterverfolgt und realisiert werden.

Mit dem vorliegende Masterplan und mit Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre will die Stadt eines zeigen: Kreativwirtschaft kann als Zukunftsbranche ein wertvoller Wegweiser aus der Krise sein. In all ihren Facetten zahlt sie wesentlich auf den Erfolg des Wirtschaftsstandortes ein. Von daher brauchen Kreative unsere Wertschätzung und Unterstützung: um Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft mit Innovationen und neuen Formaten – offline wie online – fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen. Nur neues Denken kann Zukunft gestalten.
Die Stadt Frankfurt am Main wird ihren Teil dazu beitragen, um die Kreativwirtschaft nach Kräften zu unterstützen und zu fördern. Ich lade Sie alle ein, auch Teil dieses Gestaltungsprozesses zu sein für Frankfurt am Main. Creative City.